Rucksack in der Kita

Rucksack in der Kita

Das Rucksack-Programm wird in Weinheim in den städtischen KiTas Bürgerpark und Kuhweid sowie in der evangelischen KiTa Pusteblume umgesetzt. Kern des Programms ist die Kooperation zwischen KiTa und Eltern in der Sprachförderung. Über verabredete gemeinsame Themen wird eine Verbindung zwischen der KiTa und dem Elternhaus hergestellt. Was die Kinder in der KiTa auf Deutsch lernen, wird den Eltern im wöchentlichen Elterntreff mit konkreten Anleitungen für die parallele Förderung zuhause in der Familiensprache vermittelt. Mit diesen „Hausaufgaben“ übernehmen die Eltern explizit Förderaufgaben in Kooperation mit der Kita.

Die Gruppen werden durch mehrsprachige Elternbegleiterinnen mit eigener Einwanderungsgeschichte geleitet, die durch das Bildungsbüro/Integration Central qualifiziert und fachlich beraten werden. Für die Eltern sind sie vertrauensvolle Begleiterinnen und Kulturmittlerinnen.

Eine Mutter erzählte einmal:
„Meine Tochter hat sich immer gefreut, wenn ich mit meiner „Hausaufgabenmappe“ kam. Sie sagte: „Meine Mama macht was mit mir.“ Und ich habe von der Sprachförderkraft im Kindergarten Anerkennung dafür bekommen, dass ich mit meinem Kind gut türkisch spreche.“

Rucksack-KiTa ermöglicht den Kindern, Brücken zwischen beiden Sprachen zu schlagen: In der Familiensprache Gelerntes lernen sie mit deutschen Wörtern bezeichnen, Erfahrungen aus der KiTa lernen sie in der Familiensprache auszudrücken. Dies fördert den Erwerb beider Sprachen und die Entwicklung einer qualifizierten Zweisprachigkeit.

Die Rucksack-Materialien der Regionalen Arbeitsstellen zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien (RAA) enthalten Anleitungen und Übungsblätter zu 14 grundlegenden Themenblöcken, die in 9 Sprachen übersetzt sind. Sie wurden durch das Bildungsbüro /Integration Central kontinuierlich erweitert und verfeinert. In den Materialien sind Themen der Elternbildung wie z. B. Ernährung, Umgang mit Medien, Vorlesen, ganzheitliche Entwicklung und Schulvorbereitung enthalten. Die wöchentlichen Elterntreffs werden bei Bedarf durch themenbezogene eingehendere Veranstaltungen des Bildungsbüros/Integration Central mit zusätzlichen Referent/innen ergänzt.

Rucksack ist ein anspruchsvolles Modell der intensiven Kooperation von KiTa und Familie. Die teilnehmenden KiTas investieren Zeit für die Absprachen mit dem Elterntreff und sind bereit, ggf. Aktivitäten und Themenvorschläge aus dem Elterntreff aufzugreifen. Die Familien – insbesondere die Mütter – bringen ebenfalls regelmäßig Zeit und Interesse auf und lassen sich auf eine zuverlässige aktive Mitarbeit ein. Die Rucksack- Elterntreffs mit ihren jeweils 5 – 10 Teilnehmerinnen finden in den Varianten sprachhomogen bzw. sprachgemischt statt.

Eine Erzieherin beschreibt die Wirkungen des Rucksackprojekts wie folgt:
„Durch das Rucksack-Projekt ist mir nochmal richtig bewusst geworden, wie wichtig die Muttersprache für die Familien ist. Auch ist ein viel engerer Kontakt zu den Eltern entstanden. Die Eltern merken, dass sie willkommen sind, mit allen Besonderheiten. Durch die gute Zusammenarbeit ist auch für uns die Arbeit im Alltag mit den Kindern einfacher geworden. Die Kinder entwickeln sich wirklich besser. Auch auf die Grundschule werden die „Rucksack“-Kinder und ihre Rucksack-Eltern besser vorbereitet.“

Eltern-Information des Weinheimer Bildungsbüros in der „Pusteblume“ - Genau hinschauen lohnt sich auf jeden Fall

„Für einen guten Schulstart brauchen Kinder eine ganze Reihe sehr unterschiedlicher Kompetenzen und es lohnt sich, genau hinzuschauen, ob ein Kind noch Zeit braucht oder eine besondere Förderung“, sagt Gertrud Rettenmaier von der Fachstelle Eltern-Frühe Bildung im Weinheimer Bildungsbüro.
Das Bildungsbüro Weinheim bot dazu auf Wunsch von Leiterin Sonja Hasieber eine Elterninfo-Veranstaltung an. Ermöglicht wurde es im Rahmen des Netzwerks Mehrgenerationenhaus Weinheim, zu dem die Kita Pusteblume seit Anfang 2015 gehört. An zwei Vormittagen bearbeitete Nilgün Ilden – Mitarbeiterin des Bildungsbüros – im Dialog mit den Teilnehmern Fragen und Unklarheiten. Damit auch Eltern mit geringen Deutschkenntnissen teilnehmen konnten, übersetzten Hacile Coskun (Elternbegleiterin BB/IC im Rucksack-Elterntreff), Layla Al Samouri (Elternbegleiterin BB/IC im Sprachcafe), und Elena Gramatikov (Sprachförderkraft der Kita) bei Bedarf ins Türkische, Arabische und Bulgarische…“
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Erziehungspartnerschaften

Ein Mittwochvormittag in der evangelischen Kindertagesstätte Pusteblume. Eine Gruppe von Kindern und Müttern macht sich gemeinsam mit der Sprachförderkraft Elena Gramatikov und der Elternbegleiterin Hacile Coskun auf den Weg zum Obstgeschäft. Seit zwei Wochen ist Obst das Thema in der Kinder- und der Müttergruppe. Bei dem Ausflug gibt es viel auszutauschen. Gemeinsam finden Kinder und Mütter in mehreren Sprachen die richtigen Worte für das, was bei der Birne außen dran und innen drin ist. Sie sprechen über Jahreszeiten, Preise, das Ernten und Apfelkuchen. Der Händler befragt die Kinder, welche Obstsorten wohl bei uns wachsen und die Kinder fragen ihn, wie das Obst vom Baum in den Laden kommt. Die Eltern erleben ihre Kinder außerhalb des Elternhauses und können beobachten, wie sie mit der deutschen Sprache zurechtkommen.

Das Wichtigste bei diesem Ausflug aber besteht darin, dass Kinder, Mütter und Fachkräfte gemeinsam aktiv sind und voneinander lernen. Ein Beispiel für die Erziehungspartnerschaft im „Rucksack“-Programm, die gleichzeitig die Kompetenz und das Verantwortungsbewusstsein der Eltern und die interkulturelle Öffnung der Kindertagesstätte stärkt.
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Intensive Förderung der Deutschkenntnisse in der Kita

Im Kindergarten hat Elena Gramatikov den Kindern Lieder, Reime und Spiele rund um Äpfel und Birnen – in deutscher Sprache – beigebracht: Der spannenlange Hansel hat Birnen geschüttelt, in einem kleinen Apfel sieht es lustig aus, und Vieles mehr. Auch das Vorlesen eines zum Thema passenden Bilderbuches mit anschließendem Nachspielen der Geschichte gehört meist zu einer Sprachförderstunde. „Die Methodenvielfalt erhöht die Aufmerksamkeit und den Spaß bei den Kindern. Wird ein Thema ganzheitlich erfahren, dann verstehen die Kinder besser und merken sich die Worte und die Sprachstruktur“, betont die Kulturpädagogin Gramatikov.
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Elternbildung im Rucksack-Programm

Einmal jede Woche leitet Hacile Coskunden Elterntreff des „Rucksack“-Programms in der Kindertagesstätte an. Der Kurs startet mit jedem Kindergartenjahr neu und dauert zehn Monate. Derzeit können es in der Kita Pusteblume acht Mütter aus unterschiedlichsten Herkunftsländern organisieren, jeden Mittwochvormittag an dem Gruppenangebot teilzunehmen. Sie erhalten Übungsblätter und Anleitungen, um mit ihrem Kind bzw. ihren Kindern zuhause jeden Tag eine gemeinsame Aktivität durchzuführen, bei der das aktuelle Thema aus der Kita in der Muttersprache aufgegriffen wird. Im Elterntreff besprechen und üben die Mütter beispielsweise, wie sie mit einer Bildergeschichte, einer kleinen Bastelarbeit, beim Aufschneiden eines Apfels oder einer Beobachtung im Freien mit den Kindern sprechen und gleichzeitig den Bezug zum Kindergarten herstellen.

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Flyer zum Projekt
Die Rede des OB Heiner Bernhard bei der Überreichung der mehr als 90 Urkunden für erfolgreiche Teilnahme der Mütter an den Sprach- und Bildungsförderprojekten  „Griffbereit“, „Rucksack KiTa“ , „Rucksack Grundschule“, „Eltern für Eltern“ und „KiTa- und Grundschulpaten“